Dr.Csaba Podlupszki Autor: Dr.Csaba Podlupszki Gastroenterologe

Gallensteine: Ursachen, Behandlung

Gallensteine verursachen oft gar keine Beschwerden

verursachen an sich keine Schmerzen. Diese treten auf, wenn der Stein im Gallengang den Abfluss der Gallenflüssigkeit und der Gallensäure verhindert. Menschen, die schon einmal im Leben eine Gallenkolik durchgemacht haben, können bestätigen, dass sogar kleinere Gallensteine sehr große Qualen auslösen können.

Nach einer Studie der American College of Gastroenterology haben mehr als 80 % der Bevölkerung Gallensteine ohne Beschwerden, in dem Fall spricht man von sogenannten „stummen Gallensteine“. Die Betroffenen haben keine Schmerzen, die Gallensteine werden in vielen Fällen zufällig vom Arzt während einer anderen Untersuchung oder Operation nebenbei entdeckt.

Was ist die Ursache von Gallensteinen?

Es besteht die Annahme über Gallensteine, dass sich Steine wegen Veränderungen in der chemischen Struktur der Gallenflüssigkeit herausbilden. Oft erhöht sich der Cholesterinwert der Galle, woraus sich die Steine bilden. Wenn Cholesterin im Überschuss produziert wird, dann kann die Galle es nicht verarbeiten, davon kommt es zur Bildung vom Stein.

Bilirubin, auch als Gallenfarbstoff bezeichnet, ist das Abbauprodukt von Hämoglobin. Es entsteht in einem Organ, in dem rote Blutkörperchen abgebaut werden, beispielsweise in der Leber ist es zu finden. Bei verschiedenen Lebererkrankungen oder bei einigen Störungen im Blut produziert die Leber mehr Bilirubin. Die Gallenblase kann das überschüssige Bilirubin nicht abbauen, dann entstehen Pigmentsteine. Diese sind oft dunkelbraun oder schwarz. Nach Harvard Health Publications bestehen 80% aller Gallensteine aus Cholesterin, weitere 20% aus Kalziumsalzen und Bilirubin.

Folgende Faktoren können nicht beeinflusst werden:

  • Genetik (Neigung zu Gallensteinbildung)
  • Östrogen erhöht den Cholesterinspiegel in der Galle, Frauen sind deshalb öfter davon betroffen
  • Alter über 40 Jahren
  • einige Ethnien sind anfälliger, z.B. Mexikaner
  • bei Frauen kommt es häufiger zur Gallensteinbildung, manchmal stehen verschiedene hormonellen Veränderungen beispielsweise in der Schwangerschaft dahinter.

Als Vorsorge lohnt es sich, die folgenden Regeln einzuhalten:

  • Abnehmen: Übergewicht oder Fettleibigkeit erhöhen das Risiko von Gallenstein, da mit einem erhöhten Cholesterinwert häufig die Herausbildung von Steinen einhergeht.
  • Bewegung: Passivität, oder zu viel Sitzen erhöhen das Risiko

Beim Abnehmen sollte man vorsichtig vorgehen, sehr schneller Gewichtsverlust kann schädlich sein, dann wird die Cholesterinproduktion in der Leber angeregt. Modische Diättipps sollte man meiden, Mahlzeiten dürfen nicht ausbleiben, verschiedene Diät-Pillen sind ebenfalls nicht zu empfehlen. In einem Speiseplan zur Vorsorge von Gallenstein stehen keine ungesunde Fette, Zucker oder Speisestärke. Hier sind Nahrungsmittel, die helfen, den Cholesterinspiegel zu senken, zu bevorzugen. Dazu gehören ballaststoffreiche Speisen, wie die folgenden:

  • frisches oder tiefgefrorenes Gemüse
  • frisches oder tiefgefrorenes Obst, Trockenfrüchte
  • Vollkornbrot und alle Art von Nudeln
  • brauner Reis
  • Linsen
  • Bohnen
  • Quinoa
  • Couscous

Gallensteine können jedoch auch bei ausgewogener, gesunder Ernährung und sehr sportlicher Lebensweise entstehen.

Wie bemerkt man Gallensteine?

Eine Gallenkolik ist sehr schmerzhaft

Gallensteine verursachen nicht immer eindeutige Symptome. Wenn sich der Gallenstein im Gallengang befindet und diesen verschließt, kommt es häufiger zu folgenden Beschwerden: starke, zunehmende Schmerzen am Bauch auf der rechten Seite, in der mittleren Bauchgegend oder am Oberbauch, direkt unter dem Brustbein. Außerdem gehen die starken Schmerzen häufig mit Übelkeit und Erbrechen einher, die eventuell mehrere Stunden lang dauern (Gallenkolik), aber auch eine Entzündung der Gallenblase kann entstehen, die Hinweise sind ständige Schmerzen und Fieber. Der Verschluss des gemeinsamen Gallengangs oder der Vater-Papille ist schwerwiegender als im Falle des zystischen Gallengangs. Die Stauung kann die Gänge erweitern. Fieber und Gelbsucht (gelbe Verfärbung der Haut und der Augen) können auftreten. Wenn diese Symptome in Kombination auftreten, ist von einer starken akuten Entzündung der Gallengänge auszugehen. Mehr Bakterien können in den Blutkreislauf gelangen und Sepsis verursachen. Außerdem besteht die Gefahr, dass Gallensteine in der Vater-Papille den Bauchspeicheldrüsengang blockieren, was Entzündungen, Pankreatitis und Schmerzen auslöst. Wenn sich die Gallenblase nicht entleeren kann, perforiert sie, was zur Entzündung der Bauchspeicheldrüse führt.

Erste Anzeichen von Funktionsstörungen der Gallenblase

Die folgenden sind die häufigsten Anzeichen einer Funktionsstörung der Gallenblase:

  • Bauchschmerzen, meist stechende, die nach fettigen Speisen zunehmen
  • Sodbrennen, Verdauungsstörungen, Blähbauch, Schmerzen im Oberbauch
  • Völlegefühl auch nach fettarmen Speisen
  • Brechreiz oder Erbrechen
  • Fieber, Schüttelfrost
  • Schwächegefühl

Diagnose

Zur sicheren Diagnostik ist meistens eine Ultraschalluntersuchung oder ein anderes bildgebendes Verfahren nötig, deshalb ist unbedingt der Arzt aufzusuchen. Oft sind Gallensteine nur bei einer Untersuchung eines anderen Problems bemerkbar.

  • Diagnostik mit Ultraschallbild liefert von der Gallenblase und den Steinen darin ein zu 95 % genaues Ergebnis. Wenn die Gallensteine im Gallengang sind, ist diese Untersuchungsmethode weniger zuverlässig
  • Endoskopie ist eine sichere Methode, aber damit kann man nur kleine Gallensteine sicher ermitteln
  • Magnetresonanzaufnahme (MR) oder Computertomographie (CT) dienen zur Kontrolle der Steine in der Gallenblase
  • Falls die Magnetresonanzaufnahme (MRCP) im Laufe der Diagnostik keinen Erfolg bringt, sollten weitere diagnostische Verfahren, wie eine endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP) zur Ermittlung der Gallensteine in den Gallengängen eingesetzt werden.
  • Blutbild

Behandlung von Gallensteinen

Bei Gallensteinen wird oft die Gallenblase entfernt

Es gibt unterschiedliche Methoden zur Therapie von Gallensteinen 

  • Entfernung der Gallenblase
  • Auflösung der Gallensteine mit Medikamenten
  • endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP)
  • Zertrümmern der Gallensteine durch Ultraschallwellen

Die Auflösung mit Medikamenten funktioniert gut bei Cholesterin-Steinen nur, wenn die Mündung der Gallenblase nicht blockiert ist. Bei 50 % der so behandelten Patienten entwickeln sich die Gallensteine jedoch innerhalb von 5 Jahren wieder neu. Sogenannte stumme Gallensteine, die keine Symptome verursachen, müssen nicht behandelt werden. Bei Schmerzen hilft aber nur die Umstellung der Ernährung und die Reduktion des Fettes leider nicht. Patienten, die von häufig auftretenden Koliken betroffen sind, sollten ihre Beschwerden unbedingt untersuchen lassen.

Mit Hilfe von ERCP lässt sich ein Großteil der Gallensteine aus den Gallengängen entfernen. Dabei wird der Oddi-Schließmuskel, wo der gemeinsame Gallengang sich an den Dünndarm anschließt, durchschnitten. Durch die Abtrennung bleibt die Öffnung weit genug, sodass die Steine, die nach der Operation entstehen, in den Dünndarm gelangen können. Gallensteine aus der Gallenblase können mit dieser Methode nicht entfernt werden.

Welche Speisen sollte man als Vorsorge meiden?

Nahrungsmittel mit hohem Fettgehalt, wie zum Beispiel die folgenden, sollten vom Speiseplan gestrichen werden:

  • Frittiertes Essen
  • Verarbeitete Nahrungsmittel (Donuts, Kuchen)
  • Vollmilcherzeugnisse (Käse, Eis, Butter)
  • Fettiges rotes Fleisch

Die Gallendiät bedeutet allerdings die grundlegende Umstellung der Lebensweise. Dabei können auch Heilkräuter zum Einsatz kommen. Das Organ wird gereinigt, dadurch wird Gallensteinbildung und Entzündung vorgebeugt.

Häufige Fragen über Gallensteine

Wie lange dauert die Entstehung von Gallensteinen?

Gallensteine entstehen über Monate oder Jahre.

Welche Folgen haben unbehandelte Gallensteine?

Unbehandelte Gallensteine können lebensgefährliche Zustände hervorrufen, wie Cholezystitis, also Gallenblasenentzündung, Pankreatitis oder Sepsis. Das Risiko eines Tumors erhöht sich ebenfalls.

Wie kann man die Schmerzen schnell lindern?

Warme Umschläge können krampfartige Schmerzen helfen und den Druck der aufgestauten Gallenflüssigkeit lösen. Hierfür nimmt man ein warm befeuchtetes Handtuch und legt es für 10-15 Minuten auf die schmerzende Stelle am Oberbauch. Wärmflasche sowie elektrische Wärmer sind auch nützlich.

Hilft trinken bei Gallensteinen?

Wasser unterstützt die Entleerung der Gallenblase. Ausreichend Trinkwasser kann also neben anderen Problemen auch vor Gallensteinen bewahren.

Können Gallensteine mit dem Stuhlgang abgehen?

Kleine Steine können in den Gallengang gelangen. Wenn sie nicht festsitzen, kommen sie in den Dünndarm, und können mit dem Stuhl aus dem Organismus entfernt werden.

Können Gallensteine Blähungen verursachen?

Gallenprobleme, Steine, übermäßige Gasproduktion können zu Schmerzen führen. Demnach kann Blähbauch ein Warnzeichen für Gallenprobleme sein, vor Allem, wenn sie mit Brechreiz, chronischem Durchfall oder Magenschmerzen einhergehen.

Natürliche Methoden gegen Gallensteine

Kann ein Gallenstein eigentlich auch mit Hausmitteln behandelt werden? Viele versuchen es mit Trinken von Apfelessig. Angeblich weicht Apfelsaft die Steine und hilft bei der Entfernung. Es gibt einen Bericht einer Frau von 1999, die angeblich ihren Gallenstein mit Hilfe von Apfelsaft losgeworden ist. Allerdings haben wissenschaftliche Studien dies noch nicht belegt, es gibt keine weiteren Erfahrungen damit.

Mariendistel (Silybum marianum) wird  auch bei Störungen von Magen, Leber eingesetzt. Diese Heilpflanze enthält Wirkstoffe, die die Organe stimulieren. Die Wirkung auf die Gallenblase wurde noch nicht gesondert erforscht.

Auch der Artischocke wird eine günstige Wirkung auf die Gallenblase nachgesagt. Sie stimuliert die Galle und ist auch gut für andere Verdauungsorgane. Es gibt noch keine Studien über die Zusammensetzung der Artischocke bei der Heilung von Gallensteinen.

In der traditionellen chinesischen Medizin wird Pfennigkraut (Lysimachiae herba) bei Patienten, die an Gallenstein leiden, eingesetzt, dadurch werden die Gallensteine weich und entfernen sich von selbst.

In der Volksheilkunde wird Rizinusöl zur Reinigung der Galle verwendet. Rizinus-Umschläge sollen bei Schmerzen im Magen helfen sowie bei der Heilung von Gallensteinen helfen. Die Effektivität wurde wissenschaftlich noch nicht belegt.

Akupunktur kann Krämpfe bei Gallensteinen lösen, damit wird das Abfließen erleichtert, die Funktion des Organs wird wieder hergestellt. Diese Methode muss aber noch weiter untersucht werden.

Quellen:

https://www.healthline.com/health/gallbladder-attack#ongoing-relief
https://www.healthline.com/health/gallstones
https://www.clevelandclinicmeded.com/medicalpubs/diseasemanagement/hepatology/gallbladder-biliary-tract-disease/
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3343155/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27321822/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23923586/
https://www.msdmanuals.com/home/liver-and-gallbladder-disorders/gallbladder-and-bile-duct-disorders/gallstones
https://gi.org/topics/biliary-tract-disorders-gallbladder-disorders-and-gallstone-pancreatitis/
https://www.healthline.com/health/how-to-get-rid-of-gallstones
https://www.health.harvard.edu/womens-health/what-to-do-about-gallstones
https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(05)77083-5/fulltext
https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/gallstones/symptoms-causes/syc-20354214

 

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